Ich sitze mit meinem Schreibbuch am Strand. Angelehnt an eine Mauer mit Blick aufs Meer. Unter mir eine blaue Picknickdecke mit weißen Sternen darauf. Das Meer plätschert vor sich hin und ich schreibe.
Mein, in einem Trödel-Laden gekaufter Schreibtisch aus Eiche, steht direkt vor dem Fenster. Mein Blick fällt auf die Häuser in unserer Nachbarschaft und die aufgehende Sonne. Der Schreibtisch ist voll mit Zeitschriften, schönem Papier und von mir ausgeschnittenen Papierschnippseln, Schriftzügen, Bildern und einzelnen Worten. Ich gestalte Papierpoesie.
Auf der gemütlichen Sitzbank in unserem Camper, sitze ich mit Blick aufs Meer und schreibe ein weiteres Kapitel meines ersten Buches „Übergangsneu“. Mein Mann und meine Tochter wuseln um mich herum.
Ich bin verloren – in der Poesie des Schreibens und Gestaltens.
Ich bin nicht hier und dort. Ich bin mit mir und bei mir. Verloren in dem Gefühl, etwas Sinn-volles zu tun. Stundenlang kann ich mich verlieren. In Buchstaben, Wörtern und der Idee, die Buchstaben neu zusammenzusetzen und etwas Inspirierendes entstehen zu lassen. Das was entsteht, entsteht intuitiv.
In diesen Momenten bin ich verloren. Keine Ideen, die vorher da sind. Kein Konzept. Das was mich anspricht, wird zu einem kleinen Kunstwerk, einer Poesie zusammen gesetzt. So wie auch die Worte, die die Seiten des nächsten Kapitels meines Buches füllten, mich manches mal überraschten, weil ich sie aus meiner Intuition heraus geschrieben habe.
Ich habe den Plan in mir, den Anspruch, dass etwas zeigenswertes oder lesenswertes das Ergebnis sein soll, die Erwartung an mich verloren. Und dann – jedes Mal aufs Neue - entsteht für mich ein bisschen Wunder.
Ich finde mich genau darin wieder.
Verlieren in dem was ich liebe, und mich dann, in ganz unterschiedlichen Facetten, darin wiederfinden.
Für mich ist das ein Teil meines GlückBewusstseins.
Und es ist Potentialentfaltung. Denn das eigene Potential kann sich in den Dingen entfalten, in denen wir uns verlieren. Die Zeit vergessen. Alles um uns herum scheint nicht mehr wichtig zu sein.
Wir sind im Frieden mit uns.
Darin finden wir unsere Begabungen, Talente, Interessen, Ideen und Werte.
Schon als junges Mädchen waren es Worte und Zitate, die mir Kraft gaben. Die mir Mut machten.
Diese Leidenschaft für die Poesie der Worte hat mich nie mehr verlassen.
Immer deutlicher zeigt sie sich in mir.
Und wenn ich mich dann mal kurz verloren habe? Verloren in Sorge um den Wahnsinn der Welt. In den Gedanken darum, ob unsere Kinder in dieser Welt ihren Platz finden. Den Befürchtungen, dass wir das miteinander Mensch sein als Gesellschaft aus den Augen verloren haben.
Wenn dies wieder einmal so ist...
Dann gibt es, zum Glück, das Meer, meinen Schreibtisch und die Kraft und Magie der Wörter.
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