Schublade auf, Schublade zu

So „ein-Fach“ scheint es manchmal unter uns Menschen zu sein. Einfach in ein Fach, Meinung gebildet, Menschen gesehen - zack Schublade auf – Schublade zu – fertig.

Ich denke das kennt jeder. Menschen, Meinungen, Ideen, Haltungen, Werte, all das stecken wir häufig ganz schnell in eine Schublade.

Was ist der Grund dafür?

Wieso handeln wir so?

Ist es wichtig, dass alles seinen Platz hat?

Das Vieles sortiert bleibt?

Kommen wir sonst durcheinander?

Wie sehen die Schubladen in unserem Kopf aus?

Sind sie uns bewusst? Falls ja, hast du dir mal die Frage gestellt, ob dein Schubladenschrank vielleicht etwas groß geraten ist?

 

Ich stelle mir manchmal einen so schönen alten Apothekerschrank vor. Ihr wisst schon, so einen mit unzählbaren kleinen Schubladen.

Hast du mal überprüft, Wer oder Was und vor allem wie schnell es in deinem persönlichen Apothekerschrank landet?

 

Ich habe in den letzten Jahren viel über dieses „in Schubladen stecken“ nachgedacht. Davon frei sprechen kann sich wohl niemand. Jeder von uns hat seine eigenen Bilder und kann mal besser oder mal schlechter über seinen Schatten springen und das Bild nochmal überprüfen, bevor man es wirklich in die Schublade steckt.

 

Einfach in ein Fach! Das möchte doch niemand! Menschen möchten gesehen werden, jeder in seiner Wahrnehmung auf die Welt. Wie komme ich, wie kommst du, wie kommen wir auf die Idee unser Blick auf die Welt sei „richtig“? Für mich, dich, für uns, ist er es vielleicht. Doch irgendwo anders auf diesem schönen Planeten, sieht jemand die Dinge komplett anders – und das ist auch „richtig“.

Woher kommt dieses – wie ich finde häufig sehr ausgeprägte - Schubladendenken?

 

Ich möchte nicht in eine Schublade gesteckt werden. Ich wünsche mir, dass wir einander sehen, auch dann wenn das was ich sehe, vielleicht nicht meinem Bild von der Welt, vom Leben, entspricht.

 

Vielleicht brauchen wir die Schubladen, damit unser eigenes Weltbild weiter stimmig bleibt. D.h. es ist leichter, die Schublade – zack auf und wieder zuzumachen – wenn dir etwas komisch, anders, neu erscheint, als bei dir selber hinzuschauen, warum dich das so wurmt, ärgert, beschäftigt, nervt,... Einfach in ein Fach – aus den Augen aus dem Sinn. Überlege doch gern einmal wie viel Zeug, Gefühle, Menschen, Erlebnisse schon in den Tiefen deiner inneren Schubladen verschwunden sind. Bei mir kam da schon was zusammen. In den letzten Jahren habe ich mich auf den Weg gemacht und hab angefangen aufzuräumen. Es tut gut die Schubladen anzuschauen. Es ist nicht immer leicht, weil darin natürlich auch Ent-täuschungen, Erlebnisse und Erfahrungen, die nicht immer nur angenehm waren, Selbstbetrug, Menschen, die dort nicht hineingehörten… verstaut waren/sind. Doch je mehr Schubladen ich öffne und dann entscheide, hinzuschauen, zu fühlen, manchmal auch zu „entsorgen“, oder das „Gefundene“ nochmal neu und genauer anzusehen, umso kleiner wird mein Apothekerschrank.

 

Bereits im Grundschulalter kannte ich das Gefühl, irgendwie „anders“ zu sein. Ich hatte z.B. keine Lust den 2 coolen Mädchen hinterher zu laufen. Wenn ich heute zurückschaue auf so manche Situationen, dann wird mir bewusst, dass ich mich sogar häufig selbst in eine Schublade gesteckt habe. Ich wollte ja dazu gehören und ich habe auch gelernt, dass es wichtig ist dazu zugehören, mich anzupassen, Teil einer „Gruppe“ zu sein. Die bewusste Frage, "Wozu ich denn gehören möchte und ob ich das um jeden Preis möchte?", die stellte ich mir erst später. Vorher war es ein Gefühl, dass ich einerseits keine Außenseiterin sein wollte und andererseits sich Manches nicht gut anfühlte, wenn ich es mitmachte.

 

Mit der Entscheidung in meinem Apothekerschrank meine Schubladen aufzuräumen, wurde mir auch klar, wie oft ich selbst schon von Menschen in Schubladen gesteckt wurde. Dieses Bewusstsein auch darüber, dass andere Menschen einen manchmal nicht sehen möchten oder können, (ich glaube dies ist häufig dann der Fall, wenn es für den Anderen zu unbequem oder emotional „gefährlich“ werden könnte), nahm bei mir stetig zu. Ebenso wie die Klarheit darüber, dass ich darauf kaum einen Einfluss habe. Also was tun?

 

Ich glaube es geht am Besten so, dass wir für uns entscheiden, so oft es geht mitzubekommen, wenn wir selber Menschen, Meinungen, Gefühle, usw. in Schubladen stecken möchten und uns dann nochmal überprüfen, bevor die Schublade sich öffnet.

 

So kann eine große Neugier entstehen und es gibt sehr spannende und aufregende Begegnungen. Heute entscheide ich sehr bewusst mit welchen Menschen möchte ich meine Zeit verbringen. Ich bemühe mich weniger Schubladen zu benutzen, denn mir fällt es leichter Menschen einfach sein zu lassen, es braucht keine Einsortierung mehr in eine Schublade. Außerdem habe ich immer häufiger Begegnungen mit Menschen, die sehr frei und offen in viele Richtungen denken, die sehr neugierig zuhören und es spannend finden, wenn Menschen nicht in eine Schublade passen und ihre eigenen Gedanken haben. Herrlich!

 

Sei frei, baue deinen Schubladenschrank um oder sogar ab, sortiere aus, denke neu, sei du selbst. Kannst du dich lassen, Sein lassen, leben lassen, so kannst du dies auch mit den anderen Menschen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Lena (Donnerstag, 09 Februar 2023 08:59)

    Liebe Sandra,
    wie wunderbar. So ein großartiger Beitrag. Mein Schrank hat oft nur zwei Fächer ein "tut mir gut" und ein "tut mir nicht gut". Dies klappt natürlich mal besser und mal schlechter.
    Ich wünsche mir für uns alle, dass viele ihren Schrank schrumpfen!